Bei einem ausgeprägten Kinderwunsch oder aber auch nach einem Missgeschick im Bett kommt es immer wieder zu der Frage, wie lange die Spermien des Mannes im weiblichen Körper überleben und sich somit einnisten können. Die Frage kann allerdings nicht pauschalisiert werden, da die Überlebensdauer der Spermien von vielen Faktoren abhängen.

Sperma, oder auch Samenflüssigkeit genannt, tritt bei der Ejakulation aus der Harnröhre und ist eine weißliche Flüssigkeit. Das Sperma setzt sich aus der Samenflüssigkeit, welche als Transportmittel zur weiblichen Eizelle dient, und bis zu einigen Millionen Spermien pro Millimeter zusammen. Die Spermien überleben nur wenn sie in genügend Samenflüssigkeit schwimmen und in Bewegung bleiben können. Die Entwicklung der Spermien in den Hoden dauert bis zu 72 Tagen und dort können diese dann bis zu einen Monat lang überleben. Bei der Ejakulation werden jeweils bis zu 5 Millionen Spermien ausgestoßen – allerdings schaffen es nur lediglich 500-800 Spermien bis zu den weiblichen Eileitern. Aufgrund vieler natürlicher Hindernisse, wie zum Beispiel des niedrigen pH-Wertes der Vagina und dem Zervixschleims, gelangen nur gesunde, aktive und besonders schnelle Spermien bis zum Gebärmutterhals – und nur die schnellste und aktivste bis zur Eizelle! Der größte Teil allerdings stirbt bei jedem Samenerguss aufgrund des pH-Wertes in der Vagina ab oder fließt wieder raus.

Sobald die Spermien die Vagina erreicht haben, besteht die Möglichkeit dort bis zu 8 Stunden zu überleben. Durch die Kontraktionen bei dem Orgasmus wird es den Spermien erleichtert in den Eileiter und die Gebärmutter zu gelangen, und dort besteht, je nach Zyklusphase, eine Überlebenschance von bis zu 5 Tagen!

Zyklusphase

Die Überlebensdauer der Spermien steigt, wenn sich diese in einem eher basischen Umfeld befinden – also bei einem pH-Wert von ungefähr 7,5. Der Zervixschleim1 im weiblichen Körper hat allerdings einen pH-Wert von 3,5-5,5, ist demnach eher sauer. Somit sterben die Spermien extrem schnell ab. Die Überlebensdauer beträgt da nur höchstens 3 Stunden, länger kann die Samenflüssigkeit die Spermien vor der sauren Umgebung nicht schützen.
Kurz vor dem Eisprung verändert sich jedoch die Konsistenz und der pH-Wert des Zervixschleims: Der Säuregehalt wird weniger und die Spermien haben eine Überlebensdauer von bis zu 5 Tagen.

WICHTIG: Kurz vor dem Eisprung der Frau können Spermien bis zu 5 Tage lang in der Gebärmutter überleben, da der Säuregehalt des Zervixschleims sinkt!.

Äußere Einflüsse auf das Sperma

Die Samenflüssigkeit schützt die Spermien sobald diese bei dem Samenerguss ausgestoßen werden. Allerdings gibt es viele verschiedene äußere Einflüsse die auf die Überlebensdauer der Spermien einwirken können.

Luft

Die Spermien sind sehr empfindlich: Sobald diese an die frische Luft gelangen, haben sie nur noch wenige Minuten zum überleben. Es findet aufgrund des Kontaktes mit der Luft, eine chemische Reaktion im Seminalplasma statt. Eine genaue Minutenangabe kann hier nicht festgelegt werden, allerdings steigt die Überlebensdauer um wenige Minuten, wenn die Spermien in einer großen Menge mit Samenflüssigkeit auftreten.
Werden die Spermien in einem luftdichten Becher aufbewahrt, wie zum Beispiel bei einer Samenspende, haben die Spermien eine längere Überlebensdauer, wenn sie anschließend rechtzeitig gekühlt werden. Durch den luftdichten Verschluss trocknen die Spermien somit nicht ab und sterben.

Wasser

Die Überlebensdauer im Wasser ist für die Spermien noch geringer: Bereits nach ein paar wenigen Sekunden sterben diese ab. Die Spermien sind nicht mehr bewegungsfähig weil sich ihre Samenflüssigkeit zu stark mit dem Wasser vermischt und sie Wasser aufnehmen und dadurch platzen.

Haut

Die Spermien sterben ebenfalls nach ein paar Minuten ab, sobald sie in Kontakt mit der Haut kommen. In diesem Fall findet der gleiche Prozess wie mit der Luft statt.

Textilien

Gelangen Spermien auf Textilien, sind diese nach einigen Sekunden nicht mehr bewegungsfähig und sterben somit ab. Es besteht demnach keine Gefahr einer Schwangerschaft, sollten Spermien auf die Unterwäsche oder andere Kleidungsstücke kommen.

Qualität und Lebensdauer der Spermien verbessern

Oftmals stellt sich bei einem ausgeprägten, nicht funktionierenden Kinderwunsch heraus, dass nicht genügend Spermien produziert und ausgestoßen werden, oder aber die Qualität nicht optimal ist. Grundlegend kann versucht werden, die Lebensdauer und Qualität der Spermien durch alltägliche Gewohnheiten und Ernährung zu verbessern.

Die Samenqualität sinkt enorm, wenn der Lebensstil von viel Alkohol und Zigaretten geprägt ist. Eine Überhitzung der Hoden kann zudem auch zu einer Minderung der Samenqualität führen. Demnach sollten beispielsweise häufige Saunabesuche vermieden werden. Enge Hosen oder auch Fahrrad fahren führen zu einem ständigen Druck und Belastung der Hoden, welches die Spermienproduktion einschränkt. Zudem haben Studien belegt, dass Foliumsäure und Zink die Anzahl der Spermien um bis zu 75% steigen lassen kann.