Kann ich denn trotz sorgfältiger Verhütung schwanger werden? Das ist eine Frage, die wir uns wahrscheinlich alle ab und an stellen und dabei nervös werden. Bei jeder Verhütungsmethode wird der sogenannte "Pearl-Index" angeführt, welcher uns durch statistische Werte Auskunft über die Sicherheit des jeweiligen Mittels gibt. Er gibt an, wie viele sexuell aktive Frauen innerhalb eines Jahres trotz der Verwendung eines empfängnisverhütenden Mittels schwanger werden.

Eines ist gewiss: Ein 100-prozentig sicheres Kontrazeptivum gibt es nicht. Daher befassen wir uns im Folgenden mit Faktoren, die für die Verhütungswirkung der verschiedenen Methoden von Bedeutung sind. Diese können dir Aufschluss darüber geben, welche Verhütungsart am besten für dich geeignet ist, um dir einen möglichst sicheren Schutz vor einer ungeplanten Schwangerschaft zu bieten.

Ursachen für eine Schwangerschaft trotz Verhütung

Die hier aufgelisteten Faktoren werden sehr häufig in Zusammenhang mit Schwangerschaften trotz der Verwendung von Kontrazeptiva gebracht:

  • eine Änderung der Empfängnisverhütung
  • Einnahme von Antibiotika
  • Vergessen der Pille
  • Durchfall oder Erbrechen innerhalb von 4 Stunden nach Einnahme der Pille
  • unangemessene Pille oder Dosierung der Pille
  • Anwendung "unsicherer" Verhütungsmethoden
  • unsachgerechte Handhabe des Kondoms oder Diaphragmas

Änderung der Empfängnisverhütung

Der Wechsel auf ein anderes Kontrazeptivum bedeutet eine Änderung des empfängnisverhütenden Wirkungsprinzips. Nimmst du zum Beispiel ein hormonbasiertes Verhütungsmittel wie die Pille ein, welche für gewöhnlich den Östrogen- und Gestagenspiegel verändert, so sollte der Umstieg auf ein anderes hormonelles Mittel mit Bedacht durchgeführt werden.

Es kann anfangs zu einer Verzögerung in der Hormonaufnahme und der Anpassung des Körpers an das neue Medikament kommen. Daher ist es empfehlenswert einen Medikamentenwechsel mit dem Arzt/ der Ärztin genau zu klären und gegebenenfalls in einer Übergangsphase zusätzlich ein Kondom zu benutzen.

Viele Frauen wechseln von der Pille auf nicht-hormonbasierte Verhütungsmittel, wie die Kupferspirale oder den Verhütungscomputer. Jungen Frauen wird von Ärzten anfangs unmittelbar die Pille verschrieben, welche jedoch einen großen Einfluss auf den weiblichen Körper nehmen kann. Dazu zählen Symptome, wie Libidoverlust und Depression – meistens treten diese Beschwerden schleichend auf, wodurch sie nicht primär der Pille zugeordnet werden.

Wer sich nun für eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode entscheidet, sollte beim Umstieg ebenso auf etwaige Veränderungen im Körper achten. Der Hormonspiegel braucht dabei nach der Einnahme der Pille einige Zeit, bis er sich normalisiert.

Einnahme von Antibiotika

Die Verwendung von Antibiotika kann die Wirksamkeit von empfängnisverhütenden Hormonpräparaten beeinträchtigen. Wirkstoffe des Antibiotikums können ihre Wirkung verlieren und ebenso für die "Öffnung" eines fruchtbaren Fensters verantwortlich sein.

WICHTIG: Solltest du ein Antibiotikum verschrieben bekommen, erwähne jedenfalls alle zusätzlichen Medikamente, die du einnimmst, damit dein Arzt/ deine Ärztin etwaige Wechselwirkungen abwägen kann.

Vergessen der Pille

Die Pille sollte äußerst regelmäßig eingenommen werden. Dabei gilt: Je schneller die vergessene Pille bemerkt und eingenommen wird, desto besser. Wenn du die Pille innerhalb von 12 Stunden nach Vergessen einnimmst, ist der empfängnisverhütende Effekt noch gewährleistet.

Solltest du diese 12 Stunden überschreiten, ist es trotzdem wichtig den Rest der Packung bis zum Monatsende regelmäßig zu nehmen, um den Hormonspiegel aufrechtzuerhalten. Doch solltest du dich zusätzlich mit einem Kondom schützen.

Durchfall und Erbrechen

Durchfall und Erbrechen können dazu führen, dass der Körper das Kontrazeptivum nicht sachgemäß aufnehmen kann. Wir sprechen hierbei wieder von Präparaten wie der Pille – die Wirkung der Kupferspirale zum Beispiel, ist von Beschwerden wie Durchfall oder Erbrechen nicht betroffen. Es gilt: Treten diese Beschwerden innerhalb 4 Stunden nach Einnahme der Pille auf, ist der empfängnisverhütende Effekt nicht gewährleistet.

Unangemessene Pille oder Dosierung der Pille

Ein weiterer diskutierter Faktor ist die Dosierung der Pille oder die Unzulänglichkeit des Wirkstoffes des Präparats. Wenn der Körper mit der hormonellen Wirkung eines Medikaments nicht gut zurechtkommt, kann der Arzt ein alternatives Präparat – oder aber auch ein nicht-hormonbasiertes Verhütungsmittel vorschlagen. Am besten lässt du dich von deinem Arzt/ deiner Ärztin über alle möglichen Methoden informieren.

Anwendung "unsicherer" Verhütungsmethoden

Ich habe das Wort "unsicher" hier in Klammern gesetzt, da ich von Methoden wie der Messung der Körpertemperatur und der Beobachtung der Beschaffenheit des Vaginalschleims spreche und darauf hinweisen möchte, dass diese Verhütungsvarianten den geringsten Einfluss auf unseren Körper bedeuten, jedoch sehr viel Gefühl und Disziplin erfordern.

Es kommt darauf an, wie du dich selbst einschätzt. Wenn du an alternativen Verhütungsmethoden interessiert bist und dir genug Körpergefühl zutraust, kannst du diese anwenden. Wichtig dabei ist, dass du dich bei einem/ einer Alternativmediziner/in genauestens über die Methodik informierst und damit sicher gehen kannst, dass du vor einer ungeplanten Schwangerschaft so gut wie möglich geschützt bist.

Unsachgerechte Handhabe des Kondoms oder Diaphragmas

Das Kondom kann abrutschen, wenn es nicht in Ruhe und sorgfältig aufgesetzt wurde, oder reißen, wenn die Größe nicht stimmt. Auch Fingernägel können es beschädigen – sei deshalb immer ein wenig vorsichtig und mache deinen Partner darauf aufmerksam.

Bei der Verwendung eines Diaphragmas etwa, sind sich viele nicht bewusst, dass es acht Stunden nach dem Geschlechtsverkehr nicht herausgenommen werden soll.

Informiere dich deshalb generell immer über das von dir benutzte Verhütungsmittel, um eine sachgerechte Anwendung zu gewährleisten.

Bitte denke abschließend daran: Lasse dich nicht von der Angst schwanger zu werden beherrschen. Obwohl kein Verhütungsmittel völlig sicher ist und wir womöglich trotzdem schwanger werden, gibt es ausnahmslos immer eine Lösung und Hilfe, die wir annehmen können.

Fragen der Leser/ innen:

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich trotz der richtigen Einnahme des Verhütungsmittels schwanger werde?

Wie bereits erwähnt, halten wir uns dabei an den Pearl-Index, welcher uns einen statistischen Wert über die Sicherheit des Kontrazeptivums liefert. Wäge mit deinem Arzt/ deiner Ärztin dabei am besten alle Möglichkeiten ab und entscheide dich aufgrund des Pearl-Indexes und deiner Präferenzen und Gewohnheiten für ein Hormonpräparat oder ein nicht-hormonelles Präparat.

Gibt es ein Risiko für das Baby, wenn ich trotz der Einnahme eines hormonellen Verhütungsmittels schwanger werde?

Es ist kein Zusammenhang zwischen der Einnahme von hormonellen Verhütungsmitteln und Risiken für das Baby bekannt. Einige neuere Studien weisen dennoch darauf hin, dass die Bildung der Sexualorgane des Babys im ersten Trimester beeinträchtigt werden kann.