Was passiert in unserem Körper während der Schwangerschaft? Frauen sehen sich mit verschiedensten Arten von Körperempfindungen konfrontiert und sind oftmals besorgt, da diese sehr ungewohnt und neu sein können. Viele dieser Empfindungen, wie Unwohlsein oder ziehende Schmerzen im Unterleib, sind „normal“ und unbedenklich.

Treten jedoch besondere Arten von Schmerzen auf und werden diese von Symptomen wie Blutungen, Schmerzen beim Wasserlassen, Durchfall, Schüttelfrost oder Fieber begleitet, ist es ratsam rasch einen Arzt aufzusuchen, um Gewissheit zu schaffen und ernstzunehmende Erkrankungen auszuschließen.

Wir können zwischen schwangerschaftsassoziierten und davon unabhängigen Schmerzen unterscheiden. Unser Fokus liegt in der Deutung von Unterleibsschmerzen. Folgende Faktoren können helfen, um die Signale des Körpers zu verstehen:

  • Wo tritt der Schmerz auf? In der linken oder rechten Körperhälfte? Oben oder unten
  • Welche Qualität hat die Empfindung? Ziehend, ausstrahlend oder spitzstechend?
  • In welcher Phase der Schwangerschaft treten die Schmerzen auf?
  • Wie lange und in welchen Abständen tritt der Schmerz auf?

Körperänderungen in der Frühschwangerschaft

Die Änderungen der Gebärmutter

Schmerzen im Unterleib zählen zu den häufigsten Beschwerden in der Frühschwangerschaft. Sie sind meist harmlos: In den ersten Wochen passen sich die Muskeln der Gebärmutter an die neue Situation an, denn sie wird zunehmend mehr Platz brauchen. Das geht mit Bänderdehnungen einher, was sich oftmals wie „Muskelkater“ anfühlt. Die Gebärmutter verlagert sich anfangs etwas nach rechts, wodurch viele Frauen Schmerz eher in der rechten Körperhälfte wahrnehmen.

Achtung: Bei manchen Frauen geschieht eine Verlagerung zur linken Seite!

Wenn das Kind wächst, beginnt die Gebärmutter auf die umliegenden Organe, wie Darm, Magen, Leber und sogar auf das Herz zu drücken. Deshalb sind gerade Verdauungsbeschwerden sehr häufig.

Die sogenannten „Mutterbänder“ haben die Aufgabe die Gebärmutter (Uterus) in ihrer Position zu halten. Diese dehnen sich meist etwas später – in der 17. bis 24. Woche – da vermehrt Zugkräfte auf die Gebärmutter zu wirken beginnen. Ziehende Schmerzen können dabei meist durch Wärme und Entspannung gelindert werden.Oft hilft eine entspannte Haltung und eine Verlagerung des Gewichts auf eine nicht betroffene Körperseite.

Achtung: Blutungen und Bauchhöhlenschwangerschaft

Demgegenüber ernstzunehmend sind hinzukommende Blutungen, welche umgehend vom Arzt/der Ärztin untersucht werden sollten, da sich damit eine Fehlgeburt ankündigen kann. Ebenso sollte zu Beginn der Schwangerschaft eine Bauchhöhlenschwangerschaft ausgeschlossen werden. Diese kann zunächst typische Schwangerschaftsmerkmale wie Ausbleiben der Menstruation, Übelkeit und ein Spannungsgefühl in den Brüsten auslösen und selbst der Schwangerschaftstest fällt positiv aus.

Am besten ist auch hier eine Abklärung beim Gynäkologen/ bei der Gynäkologin, welche je nach Schwangerschaftswoche eine Ultraschalluntersuchung und eine Bestimmung des Beta-hCG-Hormonspiegels durchführen werden.

Andere Ursachen für Schmerzen

Unter anderem können auch die folgenden Erkrankungen zu Unterleibsschmerzen führen, daher sollte jeglicher über längere Zeit anhaltender Schmerz, sowie akuter oder spitz-stechender Schmerz vom Arzt/ der Ärztin untersucht werden.

  • Eileiterentzündung (Adnexitis): Ein meist durch Chlamydien ausgelöster Infekt, der bis in den Eileiter aufsteigen kann und meist von Fieber begleitet wird
  • Ovarialzyste: Ein gutartiges Gewächs, welches lange Zeit unbemerkt und symptomfrei bleiben kann, jedoch beginnen kann auf umliegendes Gewebe zu drücken
  • Vena-Cava-Kompressionssyndrom: Es tritt vor allem in der Spätschwangerschaft (drittes Trimenon) auf – bevorzugt in Rückenlage. Durch die Kompression der Vena cava inferior kommt es zu einer Unterbrechung des venösen Rückstroms zum Herzen.
  • Blinddarmentzündung (rechtsseitiger Schmerz)
  • Blasenentzündung
  • Magen-Darm-Verstimmung
  • Erkrankung der Gallenblase (rechter Oberbauch)

Auch Sex kann im letzten Drittel der Schwangerschaft unangenehme Unterleibsschmerzen auslösen, deshalb ist es wichtig sachte und eher langsam vorzugehen.

Die Wehen – Was ist „Übung“ und wann wird es ernst?

Übungswehen – Eine Vorbereitung

Mit den sogenannten „Übungswehen“ findet eine Vorbereitung der Gebärmutter auf die Geburt statt. Sie treten etwa ab der 20. Schwangerschaftswoche auf. Es kommt dabei nicht zur Öffnung des Muttermundes und sie können von echten Wehen durch ihre Dauer und Häufigkeit gut unterschieden werden.

  • maximal 45 Sekunden andauernd
  • nicht öfter als 3 Mal pro Stunde

Die Übungswehen können zu einer kurzweiligen Verhärtung der Bauchdecke führen.
Ist man dennoch unsicher was da passiert, kann der Gynäkologe/die Gynäkologin weiterhelfen. Mit einer CGT-Untersuchung kann die Wehentätigkeit und die Herztätigkeit des Kindes abgebildet werden.

Das dritte Trimenon

Der Darm wird gedrückt, denn das Kind ist gewachsen und es wird zunehmend aktiver. Besonders nach Mahlzeiten können Schmerzen auftreten.
Ab der 35. Woche können sich sogenannte „Senkwehen“ bemerkbar machen. Das Kind wird etwas tiefer ins Becken gedrückt und dabei kann es zu Rückenschmerz kommen. Diese Art von Wehen tritt eher unregelmäßig auf und kann dadurch für gewöhnlich gut von echten Wehen unterschieden werden.

Echte Wehen

Da beginnt nun ein starkes Ziehen im gesamten Unterleib und meist ein Ausstrahlen in den Rücken und die Schenkel. Die Abstände zwischen den Kontraktionen werden kürzer und sind regelmäßig. Sie dauern etwa 30-60 Sekunden und werden normalerweise stärker.

Zwei sichere Zeichen für echte Wehen sind ein baldiger Blasensprung und die Erweiterung des Muttermundes. Er wird weicher und dünner und erreicht eine Weite von etwa 10 Zentimetern.

Und nun ist es soweit: Sobald der Blasensprung passiert ist, muss das Kind innerhalb von 24 Stunden geboren werden, um Infektionen zu vermeiden.

Fragen unserer Leser/innen:

Zahnweh in der Schwangerschaft – Was kann ich tun?

Da uns ein Großteil der Medikamente in der Schwangerschaft nicht zur Verfügung steht, sind Zahnschmerzen ein besonders heikles Thema. Diesen kann aber durch etliche natürliche Substanzen Abhilfe geschafft werden:

  • Salbeitee (am besten frischer Salbei, mit kochendem Wasser übergossen): dieser kann getrunken und gegurgelt werden. Salbei (Salvia officinalis) ist entzündungshemmend und wirkt sich außerdem positiv auf die Verdauung aus.
  • Nelkenöl: 1-3 Tropfen in ein Glas Wasser zum Gurgeln und Spülen. Es wirkt schmerzlindernd und entzündungshemmend
  • Oreganoöl: so wie Nelkenöl zu handhaben. Am besten ist es auszuprobieren, was besser wirkt – dabei ist jede Person etwas verschieden.

In extremen Fällen sollte der Zahnarzt/die Zahnärztin mit dem Gynäkologen/ der Gynäkologin eine optimale Behandlung besprechen.

Schwangerschaft und Halsschmerzen – Welche Optionen habe ich?

Wie bei jeder Entzündung und Infektion in der Schwangerschaft ist in dieser Zeit extreme Sorgfalt bei der Verwendung von Medikamenten erforderlich. Gurgeln mit warmem Salzwasser und das Trinken von Kamillen- und Salbeitee sind hier eine Hilfe in der Bekämpfung von Infektionen. Nur in Fällen äußerster Notwendigkeit kann der Arzt/die Ärztin den Einsatz von Antibiotika veranlassen.

Ich habe Schmerzen in den Rippen – Wie kann ich diese lindern?

Aufgrund der Ausdehnung des Uterus, der Größe des Kindes und des Gewichts der Brüste sind Schmerzen in den Rippen im dritten Trimenon häufig. Ein guter Weg die Rippen zu entlasten ist eine angenehme Schlafposition und Atemübungen zur Stärkung der umliegenden Muskulatur.

Mein Becken schmerzt – Gibt es eine Möglichkeit der Besserung?

In der Spätschwangerschaft bereitet sich der Körper nach und nach auf die Geburt vor, wodurch viele Frauen Schmerzen im Becken fühlen. Ein natürliches Verhalten beim Auftreten von Schmerz ist oftmals Ruhe und Unbewegtheit, doch dem Becken tut Bewegung gut. So kann Gehen und Pilates das Becken stärken und die Beschwerden lindern.